Auf Beutesuche in den Pyrenäen

Dienstag, 28. November 2006

Was gibt es Besseres für paarungsbereite Männchen als ein idyllisches Wochende im kleinen Kreis in den Pyrenäen? Durch die permanente körperliche Nähe wird man das auserkorene Weiblein schon zu einem kleinen Intermezzo überreden können. Die Rivalen fernhalten und dann im richtigen Moment zupacken – so einfach ist das Rezept. Doch wehe es sind Erwachsene dabei, die mit straffer Führung über Sitte und Moral wachen.

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Das Manöver will gut vorbereitet sein. Beobachtung der Konkurrenz gehört da zum Pflichtprogramm.

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Durch den Wissensvorsprung aus den Beobachtungen vom Vortag am nähesten am weiblichen Zielobjekt – jetzt heißt es Handeln, bevor andere tätig werden!

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Doch der Wind dreht sich. Höhere Führungsebenen haben ebenfalls Interesse und natürlich Vorrang. Doch auch das Middle-Management in Dunkelbeige erreicht das Projektziel nicht. Die Fusion ist politisch nicht gewollt und Schwarz-Rot interveniert erfolgreich.

Eigentlich sind solche tierischen Bedürfnisse ja für Auslandspraktikanten völlig abwegig. Wenn sich schon die Gelegenheit bietet, ein Wochenende in einer kleinen Hütte im französisch-spanischen Hochgebirge zu verbringen, muss man in erster Linie die Natur genießen. Dabei führt an leichten Wanderungen auch bei suboptimalen Witterungsverhältnissen kein Weg vorbei. Die Großstadt hinter sich lassen, dem netten Herrn auf seinem Weg folgen und sich dabei von ein paar Tropfen nicht stören lassen – wer so naturorientiert lebt, darf auch am Abend den Verhaltensmustern unserer vierbeinigen Freunde folgen.

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Wochenend und Sonnenschein – was brauchst du mehr zum glücklich Sein

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Ist und Soll im Vergleich (homöopathische Differenz: 380 Höhenmeter)
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Die Gebirgsformen im Hintergrund ließen unseren kolumbianischen Mitreisenden zu Metaphern greifen.

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Kaum ist das Herrchen mal weg, sollte man schnell zugreifen.

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Randgruppen Teil 3/4: Die Lichtgestalten

Donnerstag, 23. November 2006

Die warme Sonne, die heute nach längerer Abwesenheit in Toulouse vom A380 auf uns herabschien, kann nicht es nicht vertuschen: Der Herbst ist da. Morgendlicher Nebel, Nieselwetter und kühlere Temperaturen in den letzten Tagen lassen ein Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit aufgekommen. Gerade zu Zeiten, wo Mitarbeiter eines großen Automobilzulieferers in Toulouse zum Streik genötigt werden, weil sie mit Lohnerhöhungen um 2% von den Aktionären des Mutterkonzerns regelrecht ausgebeutet werden, ist der Blick auf eine bestimmte Randgruppe in Toulouse nötiger denn je: die Lichtgestalten.

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Balsam auf das streikende SV-Herz in ungemütlichen Zeiten: Kerzen

Nur wo findet man die Lichtgestalten in Toulouse? Sie sind überall – man muss nur Augen und Herz offenhalten. Auf sympathischen Feiern, zu denen Airbus-Praktikanten einladen, kann man sie ebenso antreffen wie bei Gala-Abenden, die vom Landtag für Erasmusstudenten veranstaltet werden. Fühle die Wärme der Kerzen, absorbiere die positive Energie fernöstlicher Entspannungswellen und du wirst merken, Lichtgestalten sind immer unter uns.


Exkurs: Freudiger Empfang des Beaujolais Primeur

Freitag, 17. November 2006

Während politisch Interessierte gestern das Rennen um die Kandidatur der Sozialisten für den Präsidentschaftswahlkampf 2007 verfolgten, beging Frankreichs Jugend einen nunmehr traditionsreichen Ritus. Erst ab dem dritten Donnerstag im November darf reinen Gewissens einer der übelsten Tropfen der französischen Weinproduktion konsumiert werden: der Beaujolais Primeur. Der fruchtige Wein sorgt zwar für verstimmte Geschmacksnerven und überdurchschnittlich ausgeprägte Kopfschmerzen schon am Abend des Verzehrs; immerhin ist damit aber ein halbwegs legitimer Anlass zum öffentlichen Umtrunk gefunden.

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Der Kollege stolz mit der teuer erstandenen Flasche des edlen Tropfens

So findet man sich in Toulouse auf der zentralen Place St. Pierre ein und schunkelt sich in bester Oktoberfestmanier auf nicht abgesperrten Straßen durch den Abend. Begleitet von feiner Blasmusik fällt es leicht, mit fremden Menschen völlig ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Zu den Klängen von „Griechischer Wein“ schwebt man lasziv auf der Straßenbeschilderung und ist sich dabei wohl der wahren Aussage des Liedes nicht bewusst. Man stelle sich nur vor, auf der Wiesn würde englisches Bier musikalisch angepriesen.

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Die gelungene Kommunikation mit der amerikanisch Gymnasialassistentin wird durch die bekannte Ackermann-Geste mit zwei der sechs Finger verdeutlicht.

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Zur Auflockerung fährt von Zeit zur Zeit ein Auto durch die Menschenmassen. Die Idee einer Straßenabsperrung erschien den Behörden wohl abwegig.

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Man erkennt es kaum, weil die Jacke die Sicht verdeckt: Die Parkplätze am Capitole waren bereits alle belegt.


Randgruppen Teil 2/4: Was machen eigentlich die Schwarzen in Toulouse?

Montag, 13. November 2006

Die Antwort ist recht einfach: Aufpassen. Ob an den Drehkreuzen der Metro, am Eingang französischer Discounter oder am Ausgang der Lidl-Filiale ums Eck – über die Sicherheit wacht nahezu ausnahmslos ein Farbiger. Werden in den Gratis-Tageszeitungen Stimmen aus der Bevölkerung zitiert, so lautet die Berufsbezeichnung von Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund in der Regel „responsable de la sécurité“ (Sicherheitsbeauftragter). Auf der anderen Seite habe ich in meinen ersten vier Wochen bei einem großen deutschen Automobilzulieferer noch keine farbigen Mitarbeiter erblickt.

Damit ergibt sich zwischen den Merkmalen „Hautfarbe“ und „Tätigkeit als Sicherheitsbeauftragter“ ein Chi-Quadrat-Koeffizient nahe eins, der wiederum auf einen starken Zusammenhang schließen lässt. Selbst bei Berücksichtigung von dritten Einflussvariablen drängt sich der Verdacht auf, Schwarze würden in nicht sicherheitsrelevanten Arbeitsfeldern sowie außerhalb der Fußballnationalmannschaft diskriminiert. Aus diesem Grund ist einem Bewerbungsschreiben in Frankreich ähnlich wie in den Vereinigten Staaten kein Foto beizufügen. Die Tatsache, dass man in den vorderen Reihen der politischen Parteien und Kommissionen (selbst im „conseil de l’intégration“), der Presse und der Unternehmen keinen einzigen Schwarzen findet, beschreibt man in Frankreich mit einem Informatikern vertrauten Wort: Die Schwarzen sind in Frankreich transparent. Man kann also durch sie hindurchsehen und leben, als ob sie nicht existierten.


Randgruppen in Toulouse – Teil 1/4: Les SDF – die Obdachlosen

Freitag, 10. November 2006

In der hiermit eröffneten vierteiligen Serie sollen einmal die Menschen in den Vordergrund gerückt werden, die sonst nicht im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen.

Verglichen mit deutschen Verhältnissen stellen die Sans-Domicile-Fixe in Toulouse eine verhältnismäßig große Gruppe dar. Anstelle von 350 Euro Hartz IV und einer Sozialwohnung gibt es in Frankreich bestenfalls einen Unterschlupf in einer dedizierten Herberge, die dann auch nur nachts ihre Tore geöffnet hat. So begegnen mir jeden Morgen und Abend in meiner in Bahnhofsnähe gelegenen Straße zahlreiche Menschen, die am Straßenrand um Kleingeld bitten. Öffne ich während des Abendessens das Fenster, kann ich teilweise hochemotionale Unterhaltungen kleiner Gruppierungen lauschen, die es sich vor der Lidlfiliale neben meinem Wohnheim mehr oder weniger bequem gemacht haben.

Dabei handelt es sich keineswegs immer um Menschen, die mit ihrem Gesellschaftsleben weitgehend abgeschlossen haben. So führt Arbeitslosigkeit und Verbindung mit der Wohnungsknappheit Zeitungsberichten zufolge des öfteren dazu, dass ganze Kleinfamilien zeitweise auf der Straße leben und lediglich die Nächte in den oben erwähnten Herbergen verbringen. Andere Obdachlose haben in idyllischer Lage auf der Insel in der Garonne ihre Zelte aufgeschlagen, die aber von Ordnungsmächten wieder geräumt wurden. Der ihnen daraufhin zugewiesene Zeltplatz 5 km nördlich des Stadtzentrums sagte ihnen jedoch nicht zu. Man habe das Recht darauf, im Stadtzentrum zu wohnen, heißt es von Seiten von Obdachlosenverbänden.

Im Vergleich zu deutschen Obdachlosen ist der französische SDF ausgesprochen freundlich. Er grüßt höflich, bevor er nach Kleingeld fragt, und fügt ohne Zynismus auf eine negative Antwort hin ein freundliches „Bonne journée quand même“ (trotzdem noch einen schönen Tag) hinzu. Soviel Kundenorientierung hat mich dazu bewogen, regelmäßig einen Teil meines Baguettes abzutreten. So ein ganzes Baguette, das aus Gründen der Frische innerhalb eines Tages konsumiert werden will, ist sowieso etwas zu viel für einen Auslandspraktikanten.

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Ein kurzer Blick aus dem Fenster


Nachtrag

Dienstag, 7. November 2006

Nach der positiven Resonanz auf die optische Wirkung unserer Fahrradausrüstung habe ich mich dazu entschlossen, zur weiteren Veranschaulichung noch folgendes Videomaterial zur Verfügung zu stellen. Es zeigt ein waghalsiges Überholmanöver.


Wochenend und Sonnenschein

Sonntag, 5. November 2006

An Wochenenden mit milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein soll man sich den Comedian Harmonists zufolge zu zweit in den Wald begeben. Die höchste Baumkonzentration kann man hier am Canal du Midi finden, so dass ich mich heute angesichts des günstigen Wetters mit Stefan zu einer Radtour an diesem über 300 Jahre alten künstlichen Gewässer aufmachte.

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Bestens ausgestattet gingen wir an den Start.

Wir liehen uns zum Preis einer Busfahrt auf die Bedürfnisse älterer Leute zugeschnitte Fahrräder aus und bewegten uns mit hoher Geschwindigkeit den Kanal entlang. Bei kurzen Duellen mit Rennradfahrern konnte durch den Kuhglocken-ähnlichen Klang unserer Klingeln zeitweise Respekt erzeugt werden, der sich in Anbetracht unseres hochfrequenten wie unergonomischen Tretens recht bald wieder auflöste. So blieb uns nichts anderes übrig, als unter der ökologischhistorischen Wucht jahrhundertealter Bäume sanft in die Natur einzutauchen und in der milden Novembersonne Vermutungen über die Wetterverhältnisse östlich des Rheins anzustellen. Fazit der Tour: extrem empfehlenswert.

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Kanalidylle