Randgruppen Teil 2/4: Was machen eigentlich die Schwarzen in Toulouse?

Die Antwort ist recht einfach: Aufpassen. Ob an den Drehkreuzen der Metro, am Eingang französischer Discounter oder am Ausgang der Lidl-Filiale ums Eck – über die Sicherheit wacht nahezu ausnahmslos ein Farbiger. Werden in den Gratis-Tageszeitungen Stimmen aus der Bevölkerung zitiert, so lautet die Berufsbezeichnung von Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund in der Regel „responsable de la sécurité“ (Sicherheitsbeauftragter). Auf der anderen Seite habe ich in meinen ersten vier Wochen bei einem großen deutschen Automobilzulieferer noch keine farbigen Mitarbeiter erblickt.

Damit ergibt sich zwischen den Merkmalen „Hautfarbe“ und „Tätigkeit als Sicherheitsbeauftragter“ ein Chi-Quadrat-Koeffizient nahe eins, der wiederum auf einen starken Zusammenhang schließen lässt. Selbst bei Berücksichtigung von dritten Einflussvariablen drängt sich der Verdacht auf, Schwarze würden in nicht sicherheitsrelevanten Arbeitsfeldern sowie außerhalb der Fußballnationalmannschaft diskriminiert. Aus diesem Grund ist einem Bewerbungsschreiben in Frankreich ähnlich wie in den Vereinigten Staaten kein Foto beizufügen. Die Tatsache, dass man in den vorderen Reihen der politischen Parteien und Kommissionen (selbst im „conseil de l’intégration“), der Presse und der Unternehmen keinen einzigen Schwarzen findet, beschreibt man in Frankreich mit einem Informatikern vertrauten Wort: Die Schwarzen sind in Frankreich transparent. Man kann also durch sie hindurchsehen und leben, als ob sie nicht existierten.

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2 Responses to Randgruppen Teil 2/4: Was machen eigentlich die Schwarzen in Toulouse?

  1. Ségolène Royal sagt:

    Nous avons la chose maintenant aussi officiellement. Grâce à la chaise vide de Bartmann, depuis aujourd’hui une 1,0 magnifique rayonne contre te du FlexNow.

  2. Markus Engelmann sagt:

    Hi Olli,
    mehr von diesen tiefgründigen und immer wieder überraschenden Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die mich schon dazu motiviert haben, Dein Reisetagebuch bis zum ENDE durchzulesen.
    Viele Grüße
    Markus

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