Rückzug auf Raten

Dienstag, 23. Januar 2007

Nach einem Wettlauf soll man ja nicht sofort stehen bleiben oder sich gar ins Gras legen, sondern langsam auslaufen, um bereitstehende Energien noch zu verbrauchen. Dementsprechend begab ich mich nach Abschluss meines Praktikums auch nicht direkt nach Deutschland, sondern rastete in Paris noch zwei Tage bei Erasmusbekannten. Diese schleusten mich samt meiner 56 kg Gepäck nach meiner Ankunft Samstag um 22h direkt ins Pariser Nachtleben.  Wir  landeten in einer Bar, in der wiederholt „Joyeux Anniversaire“ (altbairisch: Happy Birthday) gesungen wurde und im Anschluss die Geburtstagskinder mit Pudding versorgt wurden. Ich offenbarte der versammelten Mannschaft, dass auch ich vor etwa zwei Wochen Geburtstag hatte und erhielt nach dem Ständchen meinen wohl verdienten Sahnepudding.

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Kulinarische Highlights und schmutzige Objektive im Pariser Nachtleben.

Mit diesem Abend waren soziale Pflichten danne erfüllt, so dass man sich am Sonntag endlich die Stadt ansehen konnte. Nicolas, ursprünglich aus Lille, nun aber Vertreter bei einem Milchkonzern, bot mir ein Dach über dem Kopf und zeigte mir noch dazu die Stadt.

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Touristenansturm vor Sacré Coeur

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Hier wurde wohl der Großvater von Sophie Neveu ermordet.

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Auch der Eifelturm stand glücklicherweise noch.

Montags stand Versailles auf dem Programm. Wie viele große Sehenswürdigkeiten blieben auch die Pforten dieser königlichen Bleibe montags verschlossen. Damit hatte ich einen ganzen Vormittag Zeit, um einsam durch die Schlossgärten zu flanieren. Bemerkenswert war vor allem, wie viele Franzosen bei 4 Grad dort mit kurzer Hose joggten oder sogar Rad fuhren.

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Hier blieben die Eingangstüren geschlossen.

Der Auslöser für den Versailles-Besuch war vor allem Maud. Sie hatte auch mit mir zusammen Erasmus in Mailand verbracht und arbeitete und lebte in Versailles. Am Vortag hatte sie per SMS vorgeschlagen, sich um 12.20h zum Mittagessen zu treffen. Ich schickte eine Bestätigungskurzmitteilung, rief dann aber um 12h dennoch nochmals bei ihr an. Hier ein Auszug des Gesprächs:

Maud: Allo.
Erasmus-Olli: Salut Maud, c’est Oliver. Ca va?
Maud: Oliver, c’est toi! Oui, ca roule et toi?
Erasmus-Olli: Ca va très bien. Ecoute, tu viens à manger?
Maud: Mais non, je dois travailler.
Erasmus-Olli: Ah bon?
Maud: Oui, je suis au travail. Tu es où?
Erasmus-Olli: Au château de Versailles. Donc tu  viens pas?
Maud: Non, je peux pas.
Erasmus-Olli: C’est dommage.
Maud: T’es à Paris jusqu’à quand?
Erasmus-Olli: Je pars ce soir.
Maud: Donc, on se voit la prochaine fois que tu viens à Paris.
Erasmus-Olli: Ah oui… Donc à la prochaine fois.
Erasmus-Olli: (pensant) Mais quelle saloppe. D’abord, elle m’envoie un message pour me dire qu’on va déjeuner ensemble. Moi, je conferme et je l’appelle quand même 20 min avant le rendez-vous et elle me dit qu’elle ne peut pas parce qu’elle doit travailler. Elle ne savait pas ca avant? Et en plus elle ne m’a pas appele pour me dire qu’elle ne viendrait pas… Quelle conasse…
10 Minuten später wurde Erasmus-Olli angerufen. Es war Maud. Hier wiederum ein Auszug des Gesprächs:

Erasmus-Olli: Maud?
Maud: Oui, salut Oliver, ca va?
Erasmus-Olli: Oui, ca va toujours. Toi?
Maud: Ca va bien. Je t’appelle pour te dire que je vais être au château dans 10 min. Donc on se retrouve devant?
Erasmus-Olli: Ehhh … oui. Moi, je t’attends.
Maud: A plus.
Erasmus-Olli: A plus.

Nun. Was mir erst während des zweiten Gesprächs klar wurde, war, dass ich wohl die falsche Maud angerufen hatte. In Mailand gab es nämlich zwei von der Sorte. Die Gesprächsteilnehmerin des ersten Anrufs dürfte sich wohl heute noch wundern, was mein merkwürdiger Anruf sollte. Da frage ich sie einfach so, ob sie in 20 Minuten mit mir in der Nähe von Versailles essen gehen will. Die richtige Maud erschien dann pünktlich vor dem Schloss und wir konnten in gepflegtem Ambiente einen Döner mit Messer, Gabel, Servietten und Wasserkaraffe konsumieren.

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V.r.n.l.: Ehemalige Erasmusstudenten bei der Mittagspause bzw. beim blöden Grinsen in touristischer Mission

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Zweimal Erasmusstudent a.D. und Milch-Verter mit Dienstwagen.

Am Montag Abend war dann auch dieser Ausflug viel zu schnell zu Ende. Ich stieg in meinen Nachtzug und traf dort auf ein australisches Pärchen, das gerade seine Surfausrüstung in den Zug lud. Sie hatten einen Aufenthalt in Chile hinter sich und waren von den niedrigen Temperaturen in Europa sichtlich gezeichnet. Noch dazu war in dem deutschen Nachtzug die Heizung ausgefallen. Kevin erzählte mir unter seiner Wollmütze, dass er noch nie in seinem Leben Schnee gesehen habe und sich nun auf Österreich freue.

Am nächsten Morgen standen wir wieder vor dem Fenster im Gang des Zuges. Mittlerweile hatte sich eine kleine Schneedecke über Südbayern gelegt und Kevin bewunderte die Schönheit der mit Schnee bedeckten Gleise und Bahn-Baracken, während er in seine Wollhandschuhe nieste. Nun war ich also wieder in Bayern – Nachtzüge ohne Heizung, graue Bahnbaracken und Touristen mit eingetrübter Realitätswahrnehmung. Da ist es doch an der Zeit, mal wieder ein bayerisches Bier zu trinken.

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Top 10

Freitag, 19. Januar 2007

Heute war der letzte Tag meines Prakikums – Zeit, Bilanz zu ziehen. In Satirekreisen besonders beliebt ist in diesem Kontext eine Top 10. Hier die zehn deutlichsten Anzeichen für einen gelungenen Abend im französischen Nachtleben der letzten drei Monate:

10. Man hat sich Luigi gegenüber als Mario ausgegeben.
9. Am nächsten Morgen fällt einem ein, dass man den Mexikaner bereits drei Wochen zuvor kennengelernt hatte und ihm auch dieselbe Geschichte wie am Vorabend erzählt hatte.
8. Man hat im Nachtleben Bekannte entdeckt, von denen man gar nicht wusste, dass sie in der Stadt lebten, in der man sich gerade aufhielt.
7. Man stellt am nächsten Morgen beim Blick auf das Handy fest, dass man einer Radtour zugesagt hat, die in zehn Minuten beginnt.
6. Die Tanzpartnerin verabschiedet sich nach einigen Minuten mit dem Hinweis, generell auf Frauen zu stehen.
5. Man hat im Aufzug „Time to drück auf drei“ mit der Melodie eines Klassikers von Andrea Bocelli in Konzertlautstärke zum Besten gegeben.
4. Der Weg vom Bett ins Bad ist nur mit äußerster Geschicklichkeit passierbar, ohne leere Getränkeflaschen umzustoßen.
3. Man kriecht um fünf Uhr morgens auf allen Vieren zwischen Matratzen umher auf der Suche nach einer Wasserquelle zur Brandbekämpfung.
2. Man hat im Laufe des Abends Alkohol auf der Straße gefunden und auch konsumiert.
1. Man wird mitten im Schlaf gebeten, doch ein anderes Bett zu benutzen.


Randgruppen Teil 4/4: Die Erasmus-Studenten

Freitag, 19. Januar 2007

Aufmerksamen Lesern dieses Blog wird es nicht entgangen sein: Der vierte Teil der Serie über Randgruppen stand noch aus. Als seriöser Weblog-Verfasser musste ich nunmal zunächst hinreichend fundiertes Material finden, um hier auch keine Halbwahrheiten zu verkünden. Aus diesem Grund fand ich mich am Dienstag um 22 Uhr mit zwei weiteren Praktikanten in der sympathischen Kneipe „La Soûle“ („Die Betrunkene“) zu einem vermeintlichen Erasmusabend ein. Als um Mitternacht immer noch keine Erasmusstudenten eingetroffen waren, sah ich den journalistischen Auftrag schon stark gefährdet. Wir verabschiedeten uns voneinander und gingen getrennte Wege.

Kurs vor Ankunft an meinem Wohnheim kreuzten drei schlecht Französisch sprechende junge Damen meinen Weg. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die Gruppe auf dem Weg zu einer vergleichsweise spektakulären Erasmusfeier war und ich beschloss, den Damen zu folgen. Kurze Zeit später erschienen mir persönlich bekannte Italiener vor dem Eingang, mit denen zusammen ich noch kurz ihren Rest an Wodka degüstierte, bevor wir die Disco betraten. Drinnen dann das übliche Erasmusleben: Alkoholkonsum ohne konsequente Zielorientierung, erfolgreiche wie erfolglose Annäherungsmanöver zwischen Männlein und Weiblein und die Erfahrung, dass man viele der Anwesenden schon bei vorigen Erasmusfeten kennengelernt hat, sich aber wegen verschärfter Alkoholisierung oder mangels Inhalt der Unterhaltungen an selbige nicht mehr erinnern konnte. Das zog sich dann bis drei Uhr hin, bevor ich als pflichtbewusster Praktikant in Richtung Wohnheim aufbrach.

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Großzügige Italiener vor der Diskothek Mr Carneval

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Man sieht ganz deutlich, dass einige Franzosen auch was Kleidung betrifft einen guten Geschmack haben.


Fiskaltourismus

Montag, 15. Januar 2007

Was für uns Tschechien ist, ist für Bewohner des Südwesten Frankreichs Andorra. In diesem Kleinstaat außerhalb der Europäischen Union kann man aufgrund niedriger indirekter Steuern günstig Konsumgüter des täglichen Bedarfs erwerben. Auf diese Weise stattet sich der Franzose regelmäßig in größerem Rahmen mit Pastis und Zigaretten, aber auch mit Elektronikartikeln aus.

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Alles, was man heutzutage zum Leben braucht: Zigaretten, DVD-Rohlinge, MP3-Spieler und Digitalkameras

Uns sind solche Anzeichen materialistischen Konsumhedonismusses natürlich völlig fremd und so brachen wir am Sonntag vor allem aus kulturellem Interesse zu einem Tagesausflug zu dem dreieinhalb Stunden entferntem Fürstentum auf. Nach etlichen Bergserpentinen durch kaum schneebedeckte Berglandschaften kamen wir in der Hauptstadt Andorra Vella an. Die kleine Betoninsel inmitten der Pyrenäen hat ihren ganz eigenen Reiz. Urbanistik und Luftqualität in den verkehrsreichen Straßen teilen einem ebenso wie die Nummernschilder der Autos implizit mit: Hier ist man nicht mehr in der EU.

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Ein Sportwagen mit amerikanisch-kompaktem Nummernschild

Der Hauptgrund für mich, den letzten Sonntag meines Aufenthalts hier in Andorra zu verbringen war aber sprachlicher Natur. In Andorra spricht man nämlich überwiegend Katalan. Damit bot sich beispielsweise die Gelegenheit, Angestellte im Fremdenverkehrsbüro mit der auf Katalan übermittelten Information, dass die Gruppe aus in Toulouse lebenden Deutschen bestehe, zu verwirren. Im Austausch für Informationen über Sehenwürdigkeiten mussten wir dann eine kurze statistische Befragung über uns ergehen lassen, an deren Ende ich die Frage „Com et sembla Andorra“ (Wie findest du Andorra?) mit „molt bó“ (sehr gut) beantwortete. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich der Angestellte sein Lachen nicht mehr verkneifen und verstand wohl auch, dass die positive Bewertung nicht unbedingt empirisch fundiert war.

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Intellektuell anspruchvoller Scherz (1): Die Haare verdecken die Cedille unter dem zweiten C. Eigentlich weist das Schild nämlich auf ein Jagdverbot (vgl. chase/chasse/caza) hin und soll nicht etwa einen öffentlichen Stuhlgang unterbinden.

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Intellektuell anspruchsvoller Scherz (2): „Canut“ kann man je nach historischer Einbettung mit „Geldbeutel“ oder dem männlichen Geschlechtsorgan übersetzen.

Zum Ende des kurzen Aufenthalts hin stiegen wir die Andorra Vella umgebenden Hügel hinauf und flanierten bei sonnigem Wetter zwischen Schafen und Touristen über dem Betonmeer auf einem Panoramaweg. Die versammelte Mannschaft war sich einig, dass gerade aufgrund dieser unaufgeregten Koexistenz von urbanem Leben und ursprünglicher Natur der Kurztrip als positiv gewertet werden musste.

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Nahezu drei Bayern über dem andorranischem Häusermeer: Felix, Cornelia und der Erasmus-Olli.

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Die Gebirgslanschaft auf der Heimfahrt offenbarte ganz erhebliche Lücken in der Schneedecke. Hier muss nachgebessert werden.


Extra Bavariam Weichspülerum non est

Donnerstag, 11. Januar 2007

Gestern habe ich mal ordentlich was riskiert. Um die Packung nicht mit in den Internetraum nehmen zu müssen, ließ ich meinen Weichspüler gestern im Waschraum des Wohnheims und ging eine Stunde ins Internet, um anschließend Wäsche samt Weichspüler wieder aus dem Waschraum mit auf mein Zimmer zu nehmen. Ich war mir dessen bewusst, dass die nur mehr halb volle Weichspülpackung eines großen deutschen Discounters für diese Stunde Langfingern im Wohnheim schutzlos ausgeliefert sein würde. Trotzdem ging ich das Risiko ein, weil sich zum einen der Restwert der Packung in Grenzen hielt und ich zum anderen ja nur noch anderthalb Wochen in Toulouse verbringen würde.

Nun, der Weichspüler war jedenfalls nicht mehr da, als ich meine Wäsche wieder abholte. Aufgrund des Zugangsschutzes des Waschraums muss der Dieb ein Bewohner des Wohnheims sein, der sich durch diese Aktion um etwa 1 Euro bereicherte. Anders hingegen die Situation in Deutschland. Als ich im Morgengrau des 30. Dezembers mit meinem Fahrrad am Regensburger Hauptbahnhof ankam, bemerkte ich, dass ich das Schloss zu Hause vergessen hatte. Mangels Alternativen ließ ich das Rad ungesichert am Bahnhof zurück, von wo es mein Vater am 6. Januar unversehrt wieder abholte. Bayern ist halt schon geil.


Winter

Mittwoch, 10. Januar 2007

Gestern hat doch glatt jemand meinen Blog mit den Suchbegriffen „treff feuchte hose“ gefunden. Damit hier auch wirklich Hochgefühle aufgekommen, habe ich hier unten fast schon illegalerweise ein Bild vom Business-Lunch in der Siemens-Kantine mit hochqualifizierten Praktikanten abgebildet.

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Man spürt förmlich die heiße Atmosphäre in Toulouse. 


Auf den Spuren der Außenwirkung

Montag, 8. Januar 2007

In Zeiten des Web 2.0 braucht man sich dank des Studiverzeichnisses glücklicherweise keine Sorgen mehr darüber zu machen, dass die nichtstetigen Punkte der persönlichen Zeit-Alter-Funktion keine Beachtung finden, so dass ich hier gelassen von meinem Wochenendausflug nach Bordeaux berichten kann. Dank der Unterbringung durch Erasmusbekannte brachte das Wochende neben der touristischen Nutzlast vor allem den soziokulturellen Feinschliff mit sich, der zum Ende meines Aufenthalts in Frankreich hin ganz klar nicht fehlen durfte.

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Hier freut sich Felix, deutscher Siemenspraktikant und passionierter Mitreisender, zurecht: Kaum hat man ein Stück Kunststoff in der Galette (Kuchen) entdeckt, wird man zum König gekrönt.
So empfing uns in Bordeaux mit Alban und Kriszta aus Ungarn die intellektuelle Crème de la Crème meiner Mailänder Erasmusbekanntschaften sowie das erste Pärchen, für das eine Erasmusbekanntschaft letztlich in einer Ehe enden wird. Wir wurden mittags mit ungarischem Birnenschaps, Kartoffelauflauf, Bordeaux-Wein und – dem Dreikönigstag ensprechend – Kuchen versorgt und hatten damit den Restalkohol des Vorabends wieder erfolgreich aufgewärmt. Damit waren wir bereit für eine Stadtbesichtigung, in der sich Bordeaux als wesentlich bürgerlicher als das heiße Pflaster Toulouse herausstellt.

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Sandsteinfarbene Häuser am anderen Ende der weiten Garonne. Die dunklen Abschnitte der Pfeiler lassen erkennen, dass die Garonne den Gezeiten des Atlantiks folgt und deshalb mal höher, mal tiefer steht und mal in die eine, mal in die andere Richtung fließt.

In meiner Zeit in Mailand hatte ich öfter Franzosen getroffen, die kaum ein Wort Deutsch sprachen, dennoch aber regelmäßig zackigen Ausrufen von „Achtung!“, „Schnell!“ und „Jawohl!“ elementare Bestandteile deutscher Alltagssprache parat hatten. Außerdem fragte mich einmal ein Franzose, ob wir in Deutschland öfters beim Frühstück mit unseren Stühlen tanzten. Wie ich an diesem Abend herausstellte, war Louis de Funes an diesen beiden Umständen schuld. „La grande vadrouille“ (Die große Sause) ist nach Meinung unserer Gastgeber ein Film, der zur französischen Allgemeinbildung gehört, und so sahen wir uns das Schicksal drei englischer Bruchpiloten im von den Deutschen besetzten Paris des zweiten Weltkrieges an. Neben wiederholtem „Achtung!“ und „Schnell!“ fand sich in diesem Film auch der berüchtigte Frühstückstanz mit Stuhl wieder, der von uns Deutschen ja sehr geschätzt wird.

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Vor dem Filmstündchen wurden wir von Kriszta mit einem original-ungarischem Letscho versorgt. Prädikat: Hammer.

Am Sonntag fiel uns ein, dass man nicht in Bordeaux gewesen sein kann, ohne die Atlantikküste gesehen zu haben. Auch hier holte uns unsere Vergangenheit ein. Die Betonbauten, die sich stark konzentriert an einigen Strandabschnitten finden, sind nichts anderes als deutsche Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Wir beschlossen, als wahres Zeichen deutsch-französischer Versöhnung Baguette mit Käse und Wurst auf einem der Bunker zu essen. Wenn das die Väter der Römischen Verträge noch mitkommen hätten.

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Deutsche Relikte mit französischer Jugendkunst verziert an der Atlantikküste
Wir lauschten noch ein wenig den hohen Wellen und begaben uns anschließend völlig überwältigt von so viel Gastfreundschaft auf den Heimweg. Im TGV saßen wir einer Lehramt-Mathematik-Studentin gegenüber, die ihrer Aussage zufolge nur weibliche Kommilittoninnen an ihrer Uni in Toulouse hatte. Wie sehr sich doch manchmal unsere beiden Länder unterscheiden…

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Ebbe mit Alban, Kriszta, Felix und dem Erasmus-Olli.