Fiskaltourismus

Was für uns Tschechien ist, ist für Bewohner des Südwesten Frankreichs Andorra. In diesem Kleinstaat außerhalb der Europäischen Union kann man aufgrund niedriger indirekter Steuern günstig Konsumgüter des täglichen Bedarfs erwerben. Auf diese Weise stattet sich der Franzose regelmäßig in größerem Rahmen mit Pastis und Zigaretten, aber auch mit Elektronikartikeln aus.

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Alles, was man heutzutage zum Leben braucht: Zigaretten, DVD-Rohlinge, MP3-Spieler und Digitalkameras

Uns sind solche Anzeichen materialistischen Konsumhedonismusses natürlich völlig fremd und so brachen wir am Sonntag vor allem aus kulturellem Interesse zu einem Tagesausflug zu dem dreieinhalb Stunden entferntem Fürstentum auf. Nach etlichen Bergserpentinen durch kaum schneebedeckte Berglandschaften kamen wir in der Hauptstadt Andorra Vella an. Die kleine Betoninsel inmitten der Pyrenäen hat ihren ganz eigenen Reiz. Urbanistik und Luftqualität in den verkehrsreichen Straßen teilen einem ebenso wie die Nummernschilder der Autos implizit mit: Hier ist man nicht mehr in der EU.

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Ein Sportwagen mit amerikanisch-kompaktem Nummernschild

Der Hauptgrund für mich, den letzten Sonntag meines Aufenthalts hier in Andorra zu verbringen war aber sprachlicher Natur. In Andorra spricht man nämlich überwiegend Katalan. Damit bot sich beispielsweise die Gelegenheit, Angestellte im Fremdenverkehrsbüro mit der auf Katalan übermittelten Information, dass die Gruppe aus in Toulouse lebenden Deutschen bestehe, zu verwirren. Im Austausch für Informationen über Sehenwürdigkeiten mussten wir dann eine kurze statistische Befragung über uns ergehen lassen, an deren Ende ich die Frage „Com et sembla Andorra“ (Wie findest du Andorra?) mit „molt bó“ (sehr gut) beantwortete. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich der Angestellte sein Lachen nicht mehr verkneifen und verstand wohl auch, dass die positive Bewertung nicht unbedingt empirisch fundiert war.

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Intellektuell anspruchvoller Scherz (1): Die Haare verdecken die Cedille unter dem zweiten C. Eigentlich weist das Schild nämlich auf ein Jagdverbot (vgl. chase/chasse/caza) hin und soll nicht etwa einen öffentlichen Stuhlgang unterbinden.

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Intellektuell anspruchsvoller Scherz (2): „Canut“ kann man je nach historischer Einbettung mit „Geldbeutel“ oder dem männlichen Geschlechtsorgan übersetzen.

Zum Ende des kurzen Aufenthalts hin stiegen wir die Andorra Vella umgebenden Hügel hinauf und flanierten bei sonnigem Wetter zwischen Schafen und Touristen über dem Betonmeer auf einem Panoramaweg. Die versammelte Mannschaft war sich einig, dass gerade aufgrund dieser unaufgeregten Koexistenz von urbanem Leben und ursprünglicher Natur der Kurztrip als positiv gewertet werden musste.

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Nahezu drei Bayern über dem andorranischem Häusermeer: Felix, Cornelia und der Erasmus-Olli.

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Die Gebirgslanschaft auf der Heimfahrt offenbarte ganz erhebliche Lücken in der Schneedecke. Hier muss nachgebessert werden.

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