Extra Bavariam Weichspülerum non est

Donnerstag, 11. Januar 2007

Gestern habe ich mal ordentlich was riskiert. Um die Packung nicht mit in den Internetraum nehmen zu müssen, ließ ich meinen Weichspüler gestern im Waschraum des Wohnheims und ging eine Stunde ins Internet, um anschließend Wäsche samt Weichspüler wieder aus dem Waschraum mit auf mein Zimmer zu nehmen. Ich war mir dessen bewusst, dass die nur mehr halb volle Weichspülpackung eines großen deutschen Discounters für diese Stunde Langfingern im Wohnheim schutzlos ausgeliefert sein würde. Trotzdem ging ich das Risiko ein, weil sich zum einen der Restwert der Packung in Grenzen hielt und ich zum anderen ja nur noch anderthalb Wochen in Toulouse verbringen würde.

Nun, der Weichspüler war jedenfalls nicht mehr da, als ich meine Wäsche wieder abholte. Aufgrund des Zugangsschutzes des Waschraums muss der Dieb ein Bewohner des Wohnheims sein, der sich durch diese Aktion um etwa 1 Euro bereicherte. Anders hingegen die Situation in Deutschland. Als ich im Morgengrau des 30. Dezembers mit meinem Fahrrad am Regensburger Hauptbahnhof ankam, bemerkte ich, dass ich das Schloss zu Hause vergessen hatte. Mangels Alternativen ließ ich das Rad ungesichert am Bahnhof zurück, von wo es mein Vater am 6. Januar unversehrt wieder abholte. Bayern ist halt schon geil.

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Winter

Mittwoch, 10. Januar 2007

Gestern hat doch glatt jemand meinen Blog mit den Suchbegriffen „treff feuchte hose“ gefunden. Damit hier auch wirklich Hochgefühle aufgekommen, habe ich hier unten fast schon illegalerweise ein Bild vom Business-Lunch in der Siemens-Kantine mit hochqualifizierten Praktikanten abgebildet.

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Man spürt förmlich die heiße Atmosphäre in Toulouse. 


Auf den Spuren der Außenwirkung

Montag, 8. Januar 2007

In Zeiten des Web 2.0 braucht man sich dank des Studiverzeichnisses glücklicherweise keine Sorgen mehr darüber zu machen, dass die nichtstetigen Punkte der persönlichen Zeit-Alter-Funktion keine Beachtung finden, so dass ich hier gelassen von meinem Wochenendausflug nach Bordeaux berichten kann. Dank der Unterbringung durch Erasmusbekannte brachte das Wochende neben der touristischen Nutzlast vor allem den soziokulturellen Feinschliff mit sich, der zum Ende meines Aufenthalts in Frankreich hin ganz klar nicht fehlen durfte.

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Hier freut sich Felix, deutscher Siemenspraktikant und passionierter Mitreisender, zurecht: Kaum hat man ein Stück Kunststoff in der Galette (Kuchen) entdeckt, wird man zum König gekrönt.
So empfing uns in Bordeaux mit Alban und Kriszta aus Ungarn die intellektuelle Crème de la Crème meiner Mailänder Erasmusbekanntschaften sowie das erste Pärchen, für das eine Erasmusbekanntschaft letztlich in einer Ehe enden wird. Wir wurden mittags mit ungarischem Birnenschaps, Kartoffelauflauf, Bordeaux-Wein und – dem Dreikönigstag ensprechend – Kuchen versorgt und hatten damit den Restalkohol des Vorabends wieder erfolgreich aufgewärmt. Damit waren wir bereit für eine Stadtbesichtigung, in der sich Bordeaux als wesentlich bürgerlicher als das heiße Pflaster Toulouse herausstellt.

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Sandsteinfarbene Häuser am anderen Ende der weiten Garonne. Die dunklen Abschnitte der Pfeiler lassen erkennen, dass die Garonne den Gezeiten des Atlantiks folgt und deshalb mal höher, mal tiefer steht und mal in die eine, mal in die andere Richtung fließt.

In meiner Zeit in Mailand hatte ich öfter Franzosen getroffen, die kaum ein Wort Deutsch sprachen, dennoch aber regelmäßig zackigen Ausrufen von „Achtung!“, „Schnell!“ und „Jawohl!“ elementare Bestandteile deutscher Alltagssprache parat hatten. Außerdem fragte mich einmal ein Franzose, ob wir in Deutschland öfters beim Frühstück mit unseren Stühlen tanzten. Wie ich an diesem Abend herausstellte, war Louis de Funes an diesen beiden Umständen schuld. „La grande vadrouille“ (Die große Sause) ist nach Meinung unserer Gastgeber ein Film, der zur französischen Allgemeinbildung gehört, und so sahen wir uns das Schicksal drei englischer Bruchpiloten im von den Deutschen besetzten Paris des zweiten Weltkrieges an. Neben wiederholtem „Achtung!“ und „Schnell!“ fand sich in diesem Film auch der berüchtigte Frühstückstanz mit Stuhl wieder, der von uns Deutschen ja sehr geschätzt wird.

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Vor dem Filmstündchen wurden wir von Kriszta mit einem original-ungarischem Letscho versorgt. Prädikat: Hammer.

Am Sonntag fiel uns ein, dass man nicht in Bordeaux gewesen sein kann, ohne die Atlantikküste gesehen zu haben. Auch hier holte uns unsere Vergangenheit ein. Die Betonbauten, die sich stark konzentriert an einigen Strandabschnitten finden, sind nichts anderes als deutsche Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Wir beschlossen, als wahres Zeichen deutsch-französischer Versöhnung Baguette mit Käse und Wurst auf einem der Bunker zu essen. Wenn das die Väter der Römischen Verträge noch mitkommen hätten.

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Deutsche Relikte mit französischer Jugendkunst verziert an der Atlantikküste
Wir lauschten noch ein wenig den hohen Wellen und begaben uns anschließend völlig überwältigt von so viel Gastfreundschaft auf den Heimweg. Im TGV saßen wir einer Lehramt-Mathematik-Studentin gegenüber, die ihrer Aussage zufolge nur weibliche Kommilittoninnen an ihrer Uni in Toulouse hatte. Wie sehr sich doch manchmal unsere beiden Länder unterscheiden…

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Ebbe mit Alban, Kriszta, Felix und dem Erasmus-Olli.


Besinnliches Sylvester in Frankreich

Mittwoch, 3. Januar 2007

Wie Frankreichs Innenminister und wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat Sarkozy verkündete, verlief Sylvester in Frankreich dieses Jahr erfreulich ruhig. So wurden dieses Jahr in der Sylvesternacht lediglich 313 Autos angezündet, während im Vorjahr zum Jahreswechsel noch 425 Autos in Flammen standen. Ähnlich beruhigend ist auch die Bilanz des gesamten Jahres 2006. Hier stehen etwa 40.000 brennende Autos einer Zahl von 45.000 im Jahr zuvor gegenüber. Ob man das wohl unter der Frankreich beliebten nachfrageorientierten Konjunkturpolitik versteht?


Initation à la dégustation

Samstag, 16. Dezember 2006

Wein ist in Frankreich ja total wichtig. Nur leider versteht man als Deutscher nicht allzu viel vom edlen Tropfen. Hier hakte eine kleine Erasmus-Organisation ein, die einen Abend zur Beseitigung önologischer Wissensdefizite zum bescheidenen Preis von neun Euro anbot.

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Konzentriertes Degüstieren

Es gibt drei Wege, um das Wesen eines Weines zu erforschen: Über die Augen, die Nase und den Mund. Man beginnt mit der Nase. Zunächst riecht man am ruhenden Wein und analysiert anschließend, welche Geruchselemente nach dem Durchschütteln des Weines hinzukommen. An dieser Stelle kommt der visuelle Sinn hinzu. Nach dem Durchschütteln lassen sich nämlich die Tränen des Weines erkennen – und je mehr Tränen man sieht, umso mehr Alkohol hat der Wein. Letzte Etappe ist dann der Geschmacksinn. Hier kommt es vor allem darauf an, den Wein lautstark von einem Ende des Mundraums an das andere zu befördern, um dabei nochmals möglichst viele Geschmackstoffe zu reaktivieren. Wichtig ist hierbei vor allem, nicht durch spontanes Lachen, das angesichts der merkwürdigen Geräusche aufkommen kann, den professionellen Gesamteindruck zu trüben.

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Alles da: Wein, Brot zum Neutralisieren des Geschmacks im Mundraum, ein Eimer, der einem die unerwünschte Alkoholisierung durch das Ausspucken erspart, sowie eine Dozentin


Vorsicht, Kunde!

Dienstag, 12. Dezember 2006

Mitarbeiter in Staatsbetrieben gelten ja oft als unmotiviert und wenig kundenorientiert. Dementsprechend hatte ich heute auch keine großen Erwartungen, als ich mich an einem Schalter der französischen Bahn SNCF über Möglichkeiten informieren wollte, an Sylvester günstig nach Barcelona zu gelangen. Der Schalterbesuch war auch erst notwendig geworden, weil die Homepage der französischen Bahn in den kurzen Momenten, in denen sie verfügbar ist, nicht in der Lage ist, eine derartig komplexe Verbindungsanfrage zu bearbeiten. Und ein paar Klicks auf der deutschen Seite liefern zwar nach wenigen Sekunden sämtliche Verbindungen, die allerdings aus verständlichen Gründen ohne Preisangabe ausgegeben werden. Interessanterweise gibt es übrigens lediglich drei brauchbare Verbindungen pro Tag, obwohl Toulouse und Barcelona jeweils die größten Städte in den „Ecken“ der beiden Länder und zudem keine 400 km voneinander entfernt sind.

So stand ich heute vor dem Schalterbeamten der SNCF. Er machte sich noch kurz mit seinem Kollegen über den Kunden vor mir lustig, bis er mir mit einem kurzen Blick signalisierte, dass er mir nun zuhören würde. Als ich ihm sagte, dass ich vor allem wissen wollte, wie teuer die Fahrt nach Barcelona sei, meinte er, dass mich das 50 Euro kosten würde. Auf meine Frage hin, ob das auch für 24-Jährige gelte, korrigierte er auf 40 Euro. Um sicherzugehen, fragte er noch seinen Kollegen, der das Gebot von 60 Euro auf den türkischen Bazar hinzufügte.

Ich bat, eine Verbindung herauszusuchen, um mir eine genaue Preisangabe zu geben. Mit einer gewissen Empörung nahm der Angestellte zur Kenntnis, dass ich seinen Lieblingszug um 7 Uhr morgens nicht nehmen könne und er deshalb nach Verbindungen nach 12 Uhr suchen musste. Während er auf seinen Fingernägeln kaute, scherzte er mit seinem Kollegen und klickte von Zeit zu Zeit auf seinem Bildschirm herum. Nach einiger Zeit fand er eine Verbindung für 16 Uhr, für die es jedoch keine ermäßigten Preise gab. Ich fragte, ob das daran läge, dass die Verbindung teilweise in Spanien sei oder ob es nur ein beschränktes Kontingent von ermäßigten Karte gebe. Der Beamte antwortete mir präzise, dass es keine ermäßigten Fahrkarte gebe, wobei er mir übel nahm, dass ich ihn dabei in seiner Unterhaltung mit seinem Kollegen unterbrach.

Ich ging aufs Ganze und riskierte zu fragen, wie viel die nicht ermäßigte Zugfahrt kostete. Der Beamte musterte meinen ganzen Oberkörper, schnaufte kurz und begann schließlich doch, an seinem Bildschirm herumzuklicken. Nach einiger Zeit nannte er 61,80 Euro als endgültigen Preis. Ich bedankte mich und ging, was wiederum mit einer gewissen Empörung zur Kenntnis genommen wurde. Schließlich hatte der Mitarbeiter nun etwa fünf Minuten für mich seine Maus hin- und herbewegt und ich hatte dennoch nichts gekauft.

Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse verstehe ich vor allem nicht, warum die Franzosen so scharf auf Staatsbetriebe sind. So musste Sarkozy, der wahrscheinlichste Präsidentschaftskandidat der Rechten, versprechen, französische Versorgerunternehmen nicht noch weiter zu privatisieren, während die Linke mit dem Versprechen, die bisher verkauften Anteile (mittlerweile zum doppelten Kurs) wieder zurückzukaufen, punkten kann. Solange sich diese Ansichten nicht ändern, bleibt wohl nur die Hoffnung auf eine verbesserte Internetseite der französischen Bahn. Dann müsste ich auch keine Schalterbeamten mehr bei ihrer Arbeit stören.


Preis-Wert

Montag, 11. Dezember 2006

Während meines kurzen Abstechers in Regensburg verbrachte ich zwei Abende im neu eingerichteten Carlitos. Dort bietet man seit Neuem ästhetisch ansprechende Bier-Tower an, bei denen man zum maßvollen Preis von 10 Euro ganze 2,5 Liter serviert bekommt. Auch in Toulouse gibt es gelegentlich Bier im Großformat zum ermäßigten Preis. Für 10 Euro erhält man dort allerdings je nach Laune des Barkeepers zwischen 1,2 und 1,5 Liter Gerstensaft. Da stellt sich doch eine Frage: Wo geht das ganze Geld hin?

Die Grundstückspreise sind in Toulouse sicherlich höher als in Regensburg. Den doppelten Literpreis würde das allerdings nur rechtfertigen, wenn die Mieten in Toulouse doppelt so hoch wären wie in Regensburg und die Kosten für den Gastronomiebetrieb zu 100% aus der Miete bestehen. Beides trifft wohl nicht zu. Die Antwort findet man nicht auf der Angebots-, sondern auf der Nachfrageseite. Dort erwirbt der Franzose das Bier weniger mit dem Ziel der Alkoholisierung oder des Durstlöschens – wie in Bayern vereinzelt anzutreffen -, sondern eher um in einen Abend in einem bestimmten Ambiente zu verbringen. Dabei spielt der von Deutschen sorgsam kalkulierte Literpreis freilich eine geringere Rolle. Eine zweite Erklärung liegt in der positiven Nutzenkompenente eines höheren Preises, die in Frankreich eine größere Rolle spielt als in Deutschland. In einem Land mit größeren sozialen Unterschieden, in dem zudem seit Ludwig XIV der Erwerb von Anerkennung durch das Gesellschaftsleben eine tragende Rolle spielt, ist demzufolge einer weitaus größere Masse daran gelegen, die gewünschte Position in der Gesellschaft durch die höheren gezahlten Preise bestätigt zu wissen. Man zahlt also für einen Wert, der durch den Preis erst geschaffen wird.