Rückzug auf Raten (2): Mit Litauern in den Dolomiten

Sonntag, 4. Februar 2007

Vor der endgültigen Rückkehr zu einem geregelten Studentenleben verpasste ich meiner internationalen Handlungskompetenz noch letzten Schliff und verbrachte eine Woche mit 20 Litauern und einem Engländer in den Dolomiten. Damit lag ich voll im Trend. Während vor einigen Jahren die Pisten der Alpensüdseite noch fest in deutsch- und italienischsprachiger Hand waren, ist die EU 27 mittlerweile auch an Sella und Grödner Joch gelebte touristische Realität.

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Dicke Kisten aus dem Osten: Wolfsburger und Ingolstädter aus Rumänien und Polen deuten auf steigende Kaufkraft in unseren befreundeten Ost-Nachbarstaaten hin und verdrängen den Teutonen als bedeutendste Auslandsmacht auf den Pisten Südtirols.

So hatten dann auch meine 20 litauischen Freundinnen und Freunde nach 28-stündiger Fahrt im Minibus die familiengeführte Residenz Konstantin im Bozener Umland erreicht. Wenn das Verhalten dieser Stichprobe im Rahmen eines Skiurlaubs auch nicht als repräsentativ für eine ganze Nation gesehen werden kann, so wurden doch einige soziokulturellen Züge litauischen Savoir Vivres sichtbar. Ein Kernpunkt hierbei ist die Wurst als dominantes Element der Küche. Zu Frühstück, Mittagessen und Abendessen passt kaum etwas besser in einen Skiurlaub als jede Menge Wurst. Meine kulinarischen Vorschläge für die Gestaltung des Abendessen wurden dann auch erst akzeptiert, als ich der Beimischung von Wurststücken in der Tomatensauce zustimmte. Trotz der Sauce wurde dann Ketchup zur Geschmacksaufbesserung in Echtzeit hinzugezogen. Glücklicherweise wurden wir dabei nicht von Italienern beobachtet.

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Nachts schützt der Wodka-Schuh vor Kälte.

Auch das gepflegte Saunieren in litauischer Gesellschaft wich von mitteleuropäischen Gepflogenheiten ab. Zur vermeintlichen Prävention der Dehydrierung nimmt man gerne das ein oder andere Dosenbier mit in die Sauna, das sich dort ebenso aufheizt wie Badehose und Bikini. Damit keine Langeweile aufkommt, finden alle fünf Minuten Aufgüsse statt, deren Feuchtigkeit durch Minimierung der Türöffnungszeiten gezielt im Raum gehalten wird.

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Ansprechende Skikleidung vor malerischer Kulisse

Tagsüber ging es hingegen auf die Piste. Der Sella-Rundweg, die neu gebauten Seilbahnen auf die recht hohe Marmolata und das gute Wetter sorgten für einen hohen Spaßfaktor. Damit hat sich wohl auch der erneut 28-stündige Heimweg für die litauischen Freunde gelohnt.

marmolata-panorama_1.jpgFreie Sicht und milde Temperaturen auf 3300 m Höhe

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Rückzug auf Raten

Dienstag, 23. Januar 2007

Nach einem Wettlauf soll man ja nicht sofort stehen bleiben oder sich gar ins Gras legen, sondern langsam auslaufen, um bereitstehende Energien noch zu verbrauchen. Dementsprechend begab ich mich nach Abschluss meines Praktikums auch nicht direkt nach Deutschland, sondern rastete in Paris noch zwei Tage bei Erasmusbekannten. Diese schleusten mich samt meiner 56 kg Gepäck nach meiner Ankunft Samstag um 22h direkt ins Pariser Nachtleben.  Wir  landeten in einer Bar, in der wiederholt „Joyeux Anniversaire“ (altbairisch: Happy Birthday) gesungen wurde und im Anschluss die Geburtstagskinder mit Pudding versorgt wurden. Ich offenbarte der versammelten Mannschaft, dass auch ich vor etwa zwei Wochen Geburtstag hatte und erhielt nach dem Ständchen meinen wohl verdienten Sahnepudding.

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Kulinarische Highlights und schmutzige Objektive im Pariser Nachtleben.

Mit diesem Abend waren soziale Pflichten danne erfüllt, so dass man sich am Sonntag endlich die Stadt ansehen konnte. Nicolas, ursprünglich aus Lille, nun aber Vertreter bei einem Milchkonzern, bot mir ein Dach über dem Kopf und zeigte mir noch dazu die Stadt.

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Touristenansturm vor Sacré Coeur

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Hier wurde wohl der Großvater von Sophie Neveu ermordet.

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Auch der Eifelturm stand glücklicherweise noch.

Montags stand Versailles auf dem Programm. Wie viele große Sehenswürdigkeiten blieben auch die Pforten dieser königlichen Bleibe montags verschlossen. Damit hatte ich einen ganzen Vormittag Zeit, um einsam durch die Schlossgärten zu flanieren. Bemerkenswert war vor allem, wie viele Franzosen bei 4 Grad dort mit kurzer Hose joggten oder sogar Rad fuhren.

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Hier blieben die Eingangstüren geschlossen.

Der Auslöser für den Versailles-Besuch war vor allem Maud. Sie hatte auch mit mir zusammen Erasmus in Mailand verbracht und arbeitete und lebte in Versailles. Am Vortag hatte sie per SMS vorgeschlagen, sich um 12.20h zum Mittagessen zu treffen. Ich schickte eine Bestätigungskurzmitteilung, rief dann aber um 12h dennoch nochmals bei ihr an. Hier ein Auszug des Gesprächs:

Maud: Allo.
Erasmus-Olli: Salut Maud, c’est Oliver. Ca va?
Maud: Oliver, c’est toi! Oui, ca roule et toi?
Erasmus-Olli: Ca va très bien. Ecoute, tu viens à manger?
Maud: Mais non, je dois travailler.
Erasmus-Olli: Ah bon?
Maud: Oui, je suis au travail. Tu es où?
Erasmus-Olli: Au château de Versailles. Donc tu  viens pas?
Maud: Non, je peux pas.
Erasmus-Olli: C’est dommage.
Maud: T’es à Paris jusqu’à quand?
Erasmus-Olli: Je pars ce soir.
Maud: Donc, on se voit la prochaine fois que tu viens à Paris.
Erasmus-Olli: Ah oui… Donc à la prochaine fois.
Erasmus-Olli: (pensant) Mais quelle saloppe. D’abord, elle m’envoie un message pour me dire qu’on va déjeuner ensemble. Moi, je conferme et je l’appelle quand même 20 min avant le rendez-vous et elle me dit qu’elle ne peut pas parce qu’elle doit travailler. Elle ne savait pas ca avant? Et en plus elle ne m’a pas appele pour me dire qu’elle ne viendrait pas… Quelle conasse…
10 Minuten später wurde Erasmus-Olli angerufen. Es war Maud. Hier wiederum ein Auszug des Gesprächs:

Erasmus-Olli: Maud?
Maud: Oui, salut Oliver, ca va?
Erasmus-Olli: Oui, ca va toujours. Toi?
Maud: Ca va bien. Je t’appelle pour te dire que je vais être au château dans 10 min. Donc on se retrouve devant?
Erasmus-Olli: Ehhh … oui. Moi, je t’attends.
Maud: A plus.
Erasmus-Olli: A plus.

Nun. Was mir erst während des zweiten Gesprächs klar wurde, war, dass ich wohl die falsche Maud angerufen hatte. In Mailand gab es nämlich zwei von der Sorte. Die Gesprächsteilnehmerin des ersten Anrufs dürfte sich wohl heute noch wundern, was mein merkwürdiger Anruf sollte. Da frage ich sie einfach so, ob sie in 20 Minuten mit mir in der Nähe von Versailles essen gehen will. Die richtige Maud erschien dann pünktlich vor dem Schloss und wir konnten in gepflegtem Ambiente einen Döner mit Messer, Gabel, Servietten und Wasserkaraffe konsumieren.

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V.r.n.l.: Ehemalige Erasmusstudenten bei der Mittagspause bzw. beim blöden Grinsen in touristischer Mission

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Zweimal Erasmusstudent a.D. und Milch-Verter mit Dienstwagen.

Am Montag Abend war dann auch dieser Ausflug viel zu schnell zu Ende. Ich stieg in meinen Nachtzug und traf dort auf ein australisches Pärchen, das gerade seine Surfausrüstung in den Zug lud. Sie hatten einen Aufenthalt in Chile hinter sich und waren von den niedrigen Temperaturen in Europa sichtlich gezeichnet. Noch dazu war in dem deutschen Nachtzug die Heizung ausgefallen. Kevin erzählte mir unter seiner Wollmütze, dass er noch nie in seinem Leben Schnee gesehen habe und sich nun auf Österreich freue.

Am nächsten Morgen standen wir wieder vor dem Fenster im Gang des Zuges. Mittlerweile hatte sich eine kleine Schneedecke über Südbayern gelegt und Kevin bewunderte die Schönheit der mit Schnee bedeckten Gleise und Bahn-Baracken, während er in seine Wollhandschuhe nieste. Nun war ich also wieder in Bayern – Nachtzüge ohne Heizung, graue Bahnbaracken und Touristen mit eingetrübter Realitätswahrnehmung. Da ist es doch an der Zeit, mal wieder ein bayerisches Bier zu trinken.


Fiskaltourismus

Montag, 15. Januar 2007

Was für uns Tschechien ist, ist für Bewohner des Südwesten Frankreichs Andorra. In diesem Kleinstaat außerhalb der Europäischen Union kann man aufgrund niedriger indirekter Steuern günstig Konsumgüter des täglichen Bedarfs erwerben. Auf diese Weise stattet sich der Franzose regelmäßig in größerem Rahmen mit Pastis und Zigaretten, aber auch mit Elektronikartikeln aus.

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Alles, was man heutzutage zum Leben braucht: Zigaretten, DVD-Rohlinge, MP3-Spieler und Digitalkameras

Uns sind solche Anzeichen materialistischen Konsumhedonismusses natürlich völlig fremd und so brachen wir am Sonntag vor allem aus kulturellem Interesse zu einem Tagesausflug zu dem dreieinhalb Stunden entferntem Fürstentum auf. Nach etlichen Bergserpentinen durch kaum schneebedeckte Berglandschaften kamen wir in der Hauptstadt Andorra Vella an. Die kleine Betoninsel inmitten der Pyrenäen hat ihren ganz eigenen Reiz. Urbanistik und Luftqualität in den verkehrsreichen Straßen teilen einem ebenso wie die Nummernschilder der Autos implizit mit: Hier ist man nicht mehr in der EU.

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Ein Sportwagen mit amerikanisch-kompaktem Nummernschild

Der Hauptgrund für mich, den letzten Sonntag meines Aufenthalts hier in Andorra zu verbringen war aber sprachlicher Natur. In Andorra spricht man nämlich überwiegend Katalan. Damit bot sich beispielsweise die Gelegenheit, Angestellte im Fremdenverkehrsbüro mit der auf Katalan übermittelten Information, dass die Gruppe aus in Toulouse lebenden Deutschen bestehe, zu verwirren. Im Austausch für Informationen über Sehenwürdigkeiten mussten wir dann eine kurze statistische Befragung über uns ergehen lassen, an deren Ende ich die Frage „Com et sembla Andorra“ (Wie findest du Andorra?) mit „molt bó“ (sehr gut) beantwortete. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich der Angestellte sein Lachen nicht mehr verkneifen und verstand wohl auch, dass die positive Bewertung nicht unbedingt empirisch fundiert war.

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Intellektuell anspruchvoller Scherz (1): Die Haare verdecken die Cedille unter dem zweiten C. Eigentlich weist das Schild nämlich auf ein Jagdverbot (vgl. chase/chasse/caza) hin und soll nicht etwa einen öffentlichen Stuhlgang unterbinden.

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Intellektuell anspruchsvoller Scherz (2): „Canut“ kann man je nach historischer Einbettung mit „Geldbeutel“ oder dem männlichen Geschlechtsorgan übersetzen.

Zum Ende des kurzen Aufenthalts hin stiegen wir die Andorra Vella umgebenden Hügel hinauf und flanierten bei sonnigem Wetter zwischen Schafen und Touristen über dem Betonmeer auf einem Panoramaweg. Die versammelte Mannschaft war sich einig, dass gerade aufgrund dieser unaufgeregten Koexistenz von urbanem Leben und ursprünglicher Natur der Kurztrip als positiv gewertet werden musste.

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Nahezu drei Bayern über dem andorranischem Häusermeer: Felix, Cornelia und der Erasmus-Olli.

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Die Gebirgslanschaft auf der Heimfahrt offenbarte ganz erhebliche Lücken in der Schneedecke. Hier muss nachgebessert werden.


Auf den Spuren der Außenwirkung

Montag, 8. Januar 2007

In Zeiten des Web 2.0 braucht man sich dank des Studiverzeichnisses glücklicherweise keine Sorgen mehr darüber zu machen, dass die nichtstetigen Punkte der persönlichen Zeit-Alter-Funktion keine Beachtung finden, so dass ich hier gelassen von meinem Wochenendausflug nach Bordeaux berichten kann. Dank der Unterbringung durch Erasmusbekannte brachte das Wochende neben der touristischen Nutzlast vor allem den soziokulturellen Feinschliff mit sich, der zum Ende meines Aufenthalts in Frankreich hin ganz klar nicht fehlen durfte.

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Hier freut sich Felix, deutscher Siemenspraktikant und passionierter Mitreisender, zurecht: Kaum hat man ein Stück Kunststoff in der Galette (Kuchen) entdeckt, wird man zum König gekrönt.
So empfing uns in Bordeaux mit Alban und Kriszta aus Ungarn die intellektuelle Crème de la Crème meiner Mailänder Erasmusbekanntschaften sowie das erste Pärchen, für das eine Erasmusbekanntschaft letztlich in einer Ehe enden wird. Wir wurden mittags mit ungarischem Birnenschaps, Kartoffelauflauf, Bordeaux-Wein und – dem Dreikönigstag ensprechend – Kuchen versorgt und hatten damit den Restalkohol des Vorabends wieder erfolgreich aufgewärmt. Damit waren wir bereit für eine Stadtbesichtigung, in der sich Bordeaux als wesentlich bürgerlicher als das heiße Pflaster Toulouse herausstellt.

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Sandsteinfarbene Häuser am anderen Ende der weiten Garonne. Die dunklen Abschnitte der Pfeiler lassen erkennen, dass die Garonne den Gezeiten des Atlantiks folgt und deshalb mal höher, mal tiefer steht und mal in die eine, mal in die andere Richtung fließt.

In meiner Zeit in Mailand hatte ich öfter Franzosen getroffen, die kaum ein Wort Deutsch sprachen, dennoch aber regelmäßig zackigen Ausrufen von „Achtung!“, „Schnell!“ und „Jawohl!“ elementare Bestandteile deutscher Alltagssprache parat hatten. Außerdem fragte mich einmal ein Franzose, ob wir in Deutschland öfters beim Frühstück mit unseren Stühlen tanzten. Wie ich an diesem Abend herausstellte, war Louis de Funes an diesen beiden Umständen schuld. „La grande vadrouille“ (Die große Sause) ist nach Meinung unserer Gastgeber ein Film, der zur französischen Allgemeinbildung gehört, und so sahen wir uns das Schicksal drei englischer Bruchpiloten im von den Deutschen besetzten Paris des zweiten Weltkrieges an. Neben wiederholtem „Achtung!“ und „Schnell!“ fand sich in diesem Film auch der berüchtigte Frühstückstanz mit Stuhl wieder, der von uns Deutschen ja sehr geschätzt wird.

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Vor dem Filmstündchen wurden wir von Kriszta mit einem original-ungarischem Letscho versorgt. Prädikat: Hammer.

Am Sonntag fiel uns ein, dass man nicht in Bordeaux gewesen sein kann, ohne die Atlantikküste gesehen zu haben. Auch hier holte uns unsere Vergangenheit ein. Die Betonbauten, die sich stark konzentriert an einigen Strandabschnitten finden, sind nichts anderes als deutsche Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Wir beschlossen, als wahres Zeichen deutsch-französischer Versöhnung Baguette mit Käse und Wurst auf einem der Bunker zu essen. Wenn das die Väter der Römischen Verträge noch mitkommen hätten.

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Deutsche Relikte mit französischer Jugendkunst verziert an der Atlantikküste
Wir lauschten noch ein wenig den hohen Wellen und begaben uns anschließend völlig überwältigt von so viel Gastfreundschaft auf den Heimweg. Im TGV saßen wir einer Lehramt-Mathematik-Studentin gegenüber, die ihrer Aussage zufolge nur weibliche Kommilittoninnen an ihrer Uni in Toulouse hatte. Wie sehr sich doch manchmal unsere beiden Länder unterscheiden…

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Ebbe mit Alban, Kriszta, Felix und dem Erasmus-Olli.


Weltenbummelei

Dienstag, 2. Januar 2007

Ein Blog ist ja im Prinzip nichts anderes als ein Tagebuch. Deswegen ergibt (und nicht etwa macht) es Sinn, an dieser Stelle einen Tag zu beschreiben. Völlig unrepräsentativ und deswegen interessant war der 30. Dezember:

0.00h – Betreten der Suzie-Wong; unerwartetes Antreffen alter Jahrgangsalkoholiker aus der Gymnasialzeit; Konsum einer Flasche Bier; laue Unterhaltungen

2.30h – Aufbruch; eine zunehmend dicke Schneedecke ab Lappersdorf erschwert die Heimfahrt per Fahrrad; zum Ende hin hohe Steigung bei niedrigen Temperaturen

3.00h – Ankunft in Lappersdorf; Abspülen des Geschirrs des Tages; Packen des Reisegepäcks; Bereitlegen von Reisedokumenten; Überprüfen der Fahrtauglichkeit des wertarmen Zweitrades mit eher negativem Ergebnis

4.00h – Eine Stern-TV-Reportage zum Thema „Euro doch kein Teuro“ bestätigt meine in zahlreichen Diskussionen auf einsamer Flur verteidigten Positionen und verhindert ein sofortiges Einschlafen; anschließend Schlaf

5.30h – Klingeln des Weckers, anschließendes Aufstehen; Ausschalten von Strom und Heizung; Aufpumpen des Fahrrads

6.00h – Abfahrt mit dem wertarmen Zweitfahrrad; mangels funktionierender Bremsen übersteigt die Geschwindigkeit beim Herabfahren des mit Schnee bedeckten Hohen Sandes kaum 10 km/h; gelegentlicher Einsatz der Füße zur Geschwindigkeitsreduzierung; leichtes Unwohlsein aufgrund scharfer Kälte und Schlafmangels

6.30h – Ankunft Regensburg Hbf; Lösen des Bahntickets; Ausdruck des Bahntickets für Paris-München in drei Wochen; Kauf eines Tomaten-Mozzarella-Baguettes

6.43h – Abfahrt mit dem Regionalexpress; Farbe der Augäpfel: Tiefrot; Wirkung auf andere Fahrgäste: unbestimmt; Lesen von McKinsey Wissen zum Thema deutsches Gesundheitssystem

7.50h – Ankunft in Freising; Umstieg in die MVV-Linie 635; Ticketpreis: 2,20€

8.30h – Ankunft am Terminal 2 des Flughafens München; Lösen eines Boarding-Passes am Quick-Check-in-Automaten; Wahl eines von noch vier freien Plätzen; Konsum von Tee und Mitnahme der Zeit

9.15h – Abflug mit Ziel Toulouse; Einnahme eines Platzes neben einem 18-jährigen Franzosen; gemeinsames Durchschlafen; das lediglich von kurzen Essenspausen unterbrochen wird

11.00h – Ankunft in Toulouse; Hundekot in einem Gang direkt nach der Gepäckausgabe im Inneren des Flughafens als sicheres Zeichen, nun wieder in Frankreich zu sein; Busfahrt zur Wohnung

11.30h – Entsetztes Feststellen, dass die 11 Tage zuvor bestellten Bahntickets nach Barcelona nicht im Briefkasten gelandet sind; Fußmarsch zum Bahnhof; einstündiger Dialog mit einem Schalterbeamten und seiner Chefin, der in die Ausgabe neuer Bahntickets mündet

12.30h – Kauf einer Packung Lasagne im benachbarten Lidl; anschließend Verzehr

13.30h – Kurzer Statusbericht an Vertraute über Instant-Messaging-System; anschließend Gepäckoptimierung sowie erneuter Abmarsch Richtung Bahnhof

14.25h – Abfahrt des Zuges der Reihe Corail nach Narbonne; kurze Unterhaltung mit gegenüber sitzender und offensichtlich mitteilungsbedürftiger, alter Französisin; anschließend kurze Schlafphasen

15.40h – Ankunft in Narbonne; Wiederholung katalanischen Vokabulars und Grammatik am Bahnsteig

16.10h – Abfahrt nach Perpignan; positive Beantwortung der Frage zahlreicher Franzosen, ob dies der Zug nach Perpignan sei; Vertiefung katalanischen Vokabulars und Grammatik

16.43h – Ankunft in Perpignan; Konsum eines entsetzlich schmeckenden Fertig-Sandwiches aus einem Supermarkt; Entdecken eines katalanischen Hörfunkangebots mittels Radio-fähigen MP3-Players; Genuss katalanischer Nachrichten mit den Themen ETA-Bombenattentat in Madrid und Hinrichtung Sadams

17.20h – Abfahrt nach Port Bou; positive Beantwortung der Frage zahlreicher Franzosen, ob dies der Zug nach Port Bou sei; angenehme Fahrt aufgrund der fehlenden Auszeichnung eines Wagons mit breiten und bequemen Sitzen als erste Klasse; Studium des katalinischen Lehrbuchs mit kalanischen Hörfunkpassagen im Wechsel

18.10h – Ankunft in Port Bou; gezieltes Dahinvegetieren am Bahnsteig

19.20h – Abfahrt nach Barcelona; Kurzzeitger Versuch, durch Querlegen über drei Sitze eine Schlafphase zu erreichen; Aufgeben dieses Versuchs nach dem Einströmen von Passagiermassen; Wiederaufnahme der Lektüre über das deutsche Gesundheitssystem; zum Ende hin apathischer Genuss katalanischen Hörfunks und Betrachten katalanischer Passagiere, die Fahrtdauer von zweieinhalb Stunden über lediglich Löcher in die Luft starrten

21.48h – Ankunft in Barcelona; physisches Treffen der Kontaktperson mit Anhang; Vorschlag dieser Kontaktperson, das Nachtleben Barcelonas zu erkunden

22.30h – Konsum eines Sandwiches „Frankfurt“ mit Senf und Wurst sowie einer Dose Fanta in der Innenstadt von Barcelona

22.45h – Betreten eines Billiardlokals; Bestellen eines andalusischen Bieres zum für Barcelona sehr hohen Preis von 3,50€; sechs Partien Billiard mit abnehmender Zielgenauigkeit; teils erfolgloser Versuch, sportliche Defizite durch humoristische Einlagen in Katalanisch auszugleichen

23.59h – Weiterhin Billiardspiel, das noch bis etwa 1.30h andauern würde und nach dem ich um 2.00h in der Hospitationsfamilie ankommen würde, in der ich wiederum nach kurzem Abendessen um 2.30h einschlafen würde; subjektiver Eindruck der körperlichen und geistigen Reserven zu diesem Zeitpunkt: erschöpft.


Französische Katalanen

Montag, 4. Dezember 2006

Dass man in der spanischen Region Katalonien am liebsten so unabhängig wie möglich von Madrid sein will, ist bekannt. Doch wie sieht die Lage im dem Teil Kataloniens aus, der seit etwa 400 Jahren französisches Staatsgebiet ist? Eine Bildungsreise mit Erasmusstudenten bot Gelegenheit, die Situation sprachlicher Minderheiten in Frankreich näher zu beleuchten.

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So ist es korrekt. Europäische, französische und katalanische Flagge in Collioures.

In einem Strandort im Dezember Menschen anzutreffen, ist gar nicht so einfach. So mussten wir erst erfolglos einige der schmalen Gassen Collioures durchsuchen, ehe wir auf einem staubigen Platz ältere Menschen beim Boules-Spiel antrafen. „Parla catalá?“, fragte ich mehrfach, bis am anderen Ende des Platzes fündig wurde. Der Herr war gleichermaßen erfreut wie belustigt darüber, dass sich ein Ausländer für die Verbreitung dieser Sprache interessierte und erzählte mir, dass in diesem Ort wohl ein Viertel der Bevölkerung Katalanisch spreche. Erwartungsgemäß handle es sich hierbei vorwiegend um ältere Menschen. Da hier Katalanisch lediglich in gesprochener Form existierte, fügte er noch hinzu, dass es seiner Ansicht zufolge sehr schwierig sei, Katalanisch zu schreiben. Manche Ausdrücke, die ich verwendete, kannte er nicht, was wohl auf unterschiedliche Versionen der Sprache wie auch in Barcelona, Valencia und auf Mallorca (sprich: Maljorka) zurückzuführen ist.

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Wo man auch hingeht, ein paar Deutsche trifft man ja immer.

Damit war die Bildungsmission der Reise erfüllt und man ging zu entspannenden Tätigkeiten über. Dazu konnte man nach einer kleinen Feier in der Unterkunft tags darauf in Burgen auf den Spitzen der Pyrenäen Kraft tanken und in der wärmenden Dezembersonne den Thunfisch der italienischen Reiseteilnehmer konsumieren.

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Ausgelassene Stimmung auf der kleinen Feier in der Jugendherberge.

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Der weitere Verlauf des Abends war unscharf.

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Picknick mit Burg und T-Shirt


Auf Beutesuche in den Pyrenäen

Dienstag, 28. November 2006

Was gibt es Besseres für paarungsbereite Männchen als ein idyllisches Wochende im kleinen Kreis in den Pyrenäen? Durch die permanente körperliche Nähe wird man das auserkorene Weiblein schon zu einem kleinen Intermezzo überreden können. Die Rivalen fernhalten und dann im richtigen Moment zupacken – so einfach ist das Rezept. Doch wehe es sind Erwachsene dabei, die mit straffer Führung über Sitte und Moral wachen.

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Das Manöver will gut vorbereitet sein. Beobachtung der Konkurrenz gehört da zum Pflichtprogramm.

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Durch den Wissensvorsprung aus den Beobachtungen vom Vortag am nähesten am weiblichen Zielobjekt – jetzt heißt es Handeln, bevor andere tätig werden!

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Doch der Wind dreht sich. Höhere Führungsebenen haben ebenfalls Interesse und natürlich Vorrang. Doch auch das Middle-Management in Dunkelbeige erreicht das Projektziel nicht. Die Fusion ist politisch nicht gewollt und Schwarz-Rot interveniert erfolgreich.

Eigentlich sind solche tierischen Bedürfnisse ja für Auslandspraktikanten völlig abwegig. Wenn sich schon die Gelegenheit bietet, ein Wochenende in einer kleinen Hütte im französisch-spanischen Hochgebirge zu verbringen, muss man in erster Linie die Natur genießen. Dabei führt an leichten Wanderungen auch bei suboptimalen Witterungsverhältnissen kein Weg vorbei. Die Großstadt hinter sich lassen, dem netten Herrn auf seinem Weg folgen und sich dabei von ein paar Tropfen nicht stören lassen – wer so naturorientiert lebt, darf auch am Abend den Verhaltensmustern unserer vierbeinigen Freunde folgen.

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Wochenend und Sonnenschein – was brauchst du mehr zum glücklich Sein

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Ist und Soll im Vergleich (homöopathische Differenz: 380 Höhenmeter)
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Die Gebirgsformen im Hintergrund ließen unseren kolumbianischen Mitreisenden zu Metaphern greifen.

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Kaum ist das Herrchen mal weg, sollte man schnell zugreifen.