Nachtrag

Dienstag, 7. November 2006

Nach der positiven Resonanz auf die optische Wirkung unserer Fahrradausrüstung habe ich mich dazu entschlossen, zur weiteren Veranschaulichung noch folgendes Videomaterial zur Verfügung zu stellen. Es zeigt ein waghalsiges Überholmanöver.

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Wochenend und Sonnenschein

Sonntag, 5. November 2006

An Wochenenden mit milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein soll man sich den Comedian Harmonists zufolge zu zweit in den Wald begeben. Die höchste Baumkonzentration kann man hier am Canal du Midi finden, so dass ich mich heute angesichts des günstigen Wetters mit Stefan zu einer Radtour an diesem über 300 Jahre alten künstlichen Gewässer aufmachte.

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Bestens ausgestattet gingen wir an den Start.

Wir liehen uns zum Preis einer Busfahrt auf die Bedürfnisse älterer Leute zugeschnitte Fahrräder aus und bewegten uns mit hoher Geschwindigkeit den Kanal entlang. Bei kurzen Duellen mit Rennradfahrern konnte durch den Kuhglocken-ähnlichen Klang unserer Klingeln zeitweise Respekt erzeugt werden, der sich in Anbetracht unseres hochfrequenten wie unergonomischen Tretens recht bald wieder auflöste. So blieb uns nichts anderes übrig, als unter der ökologischhistorischen Wucht jahrhundertealter Bäume sanft in die Natur einzutauchen und in der milden Novembersonne Vermutungen über die Wetterverhältnisse östlich des Rheins anzustellen. Fazit der Tour: extrem empfehlenswert.

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Kanalidylle


Surprise à Montpellier

Sonntag, 29. Oktober 2006

Die Wettervorhersage für das Wochenende war günstig und die bisherige Arbeitsproduktivität im Praktikum derart hoch, dass ich Freitag der Arbeit fernblieb und nach Montpellier fuhr. Von Montpellier hatten schon viele Leute Positives berichtet, was aber nicht zwingend viel bedeuten muss, da man generell und vor allem bei Auslandsaufenthalten zur massiven Dissonanzreduktion neigt.

Erste Station in Montpellier war der Strand. Schließlich ist das gepflegte Sonnenbad am Mittelmeer teutonische Kernkompetenz. Bei 21 Grad Wassertemperatur plantschten Stefan (ein weiterer Siemens-Praktiktant) und ich verspielt unter der milden Oktobersonne und waren dabei auch ziemlich alleine. Als es allmählich dunkel wurde, brachen wir zu unserer Jugendherberge auf.

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Entspannte Stimmung in der milden Oktobersonne

Wir teilten uns unser 10-Bett-Zimmer unter anderem mit einem 38-jährigen Tunesier, der auf der Suche nach einem Lebensunterhalt Montpellier nach Arbeitsplätzen und finanzstarken Frauen abgraste. Auf seine Bitte hin lasen wir ihm einen Flyer zu einer Ü30-Party vor, den er auf der Straße gefunden hatte. Er war trotz seines ungepflegten Erscheinungsbilds und seiner sehr fortgeschrittenen Alkoholisierung zuversichtlich, auf dieser Feier die Herzen zahlungskräftiger Damen für gewinnen zu können.

Wir tranken einige Flaschen Wein und machten uns ins Nachtleben auf. Dazu sprachen einige der 60.000 Studenten in Montpellier an. Zwei Mädels nahmen uns mit in ein Tanzlokal, in dem bereits zu dieser frühen Stunde ausgelassen getanzt wurde. Wir ließen uns von der Stimmung mitreißen und verließen das Lokal erst nach ein Uhr, um zu unserer Jugendherberge zurückzukehren, die bereits um zwei Uhr ihre Tore schließen würde. Wir waren recht zufrieden mit dem Abend und insgeheim auch froh, durch die Sperrstunde mit gutem Gewissen schon so früh ins Bett gehen zu dürfen.

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Erste Kontakte im sympathischen Tanzlokal


Doch plötzlich rief ich „Sabine!“ und läutete damit den zweiten Teil des Abends ein. Sabine hatte ich im Chor des Mädchengymnasiums „Englische Fräulein“ kennengelernt, als ich dort einen Abend mit der Bratsche begleitete. Sie verbrachte ihr Erasmusjahr in Montpellier und war ebenso wie ich überrascht über unser zufälliges Aufeinandertreffen. Sie stellte uns eine Matratze in ihrer Wohnung in Aussicht, auf der wir später nächtigen könnten und nahm uns mit zu einem öffentlichen Beisamensein von Erasmusstudenten.

Praktischerweise gibt es in Frankreich kein Gesetz zur Begrenzung der Ladenöffnungszeiten, so dass wir uns in der Nähe der Gasse, in dem sich die Studenten versammelt hatten, in einem nahen Epicier zeitnah mit weiteren Getränken eindecken konnten. Ich führte einige weitgehend sinnfreie Unterhaltungen mit Chilenen und Preußen, bis gegen vier Uhr die Lage langsam unübersichtlich zu werden drohte. Die Meute verlagerte damit ihren Standort und setzte die Feier in Sabines Wohnung fort. Dort suchte ich trotz der andauernden Feierlichkeiten nach der versprochenen Matratze und verabschiedete mich damit nach einer Einschlafzeit im Millisekunden-Bereich von dem bunten Treiben, das noch bis halb acht Uhr morgens um mich herum andauerte.

Aus nachvollziehbaren Gründen waren unsere Vitalkräfte am nächsten Tag begrenzt. So suchten wir zunächst den botanischen Garten auf, in dem wir in einem unbeobachteten Bereich den kurzen Schlaf der Nacht noch etwas fortsetzten. Montpellier war eine andere Welt als Toulouse. In den ruhigen Gassen und Parks flanierten die Menschen bei sonnigem Wetter und genossen das Lebensgefühl, das die durchdachte Architektur der Stadt ganz automatisch erzeugte. Im botanischen Garten lag der Duft von Pinien und exotischen Pflanzen in der Luft, zu dem man Vögel zwitschern hörte, die in Toulouse innerhalb weniger Sekunden an einer Rauchvergiftung sterben würden. Ich bedauerte, dass Siemens VDO keinen Standort in Montpellier hatte und beschloss, die Matratze in Sabines Wohnung noch des Öfteren zu benützen. Montpellier steht damit auch auf der Liste der Tagesordnungspunkte von Leuten, die mich hier in Toulouse besuchen wollen, ganz weit oben.

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Katalanische Einflüsse in der Urbanistik


Besuch

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Es ist ja immer nützlich, Freunde irgendwo im Ausland zu haben. Man kann dann dort umsonst nächtigen und den Kühlschrank leerfuttern.

Das ist natürlich auch in Bezug auf Toulouse der Fall. Wenn jemand, der das hier liest und mich dazu noch kennt, bei mir vorbeikommen will, sei er herzlich eingeladen. Das muss auch gar nicht mal teuer sein. Mit der Lufthansa kann man bei rechtzeitigem Buchen (d.h. demnächst(!)) für 100 Euronen von München nach Toulouse und auch wieder zurück fliegen. Ich habe ein mildes mediteranes Klima in einer äußerst lebendigen Stadt sowie ein großes Bett anzubieten, das ich mir sogar auch mit männlichen Besuchern teilen würde (alternativ kann man natürlich auf dem Boden schlafen). Da ich Montag bis Freitag arbeite, bietet sich ein Wochenende an. Im Moment herrscht noch freie Auswahl abgesehen von 7.-10. Dezember und 24.-31. Dezember. Praktikumsende ist dann der 19. Januar. Das heißt insbesondere, dass ich die erste Woche im Januar, während der Studenten ja auch offiziell nicht arbeiten, hier bin. Vielleicht will da ja der eine oder andere dem deutschen Winter entfliehen.

So viel zur Eigenwerbung. Morgen gibt’s wieder was Richtiges.