Durchbruch

Nachdem ich gestern mangels Themen hier schon zum Besuch in Toulouse aufgefordert hatte, begab ich mich gelangweilt in den Aufzug mit dem festen Vorsatz, acht Stunden zu schlafen. Im Aufzug traf ich einen Spanier an, mit deren Gruppe ich bereits vor anderthalb Wochen ausgegangen war. Er meinte, sie würden sich jetzt auf einem Zimmer noch aufwärmen und später auf eine Erasmusfete gehen.

Ich ging interessehalber mit und traf im Zimmer die übliche Runde ausländischer Wohnheimsalkoholiker an. Victor aus der französischen Schweiz meinte, man würde in Kürze zu der nicht allzu weit entfernten Disko aufbrechen. Es war bereits elf und ich musste am nächsten Tag ja arbeiten. Dennoch bin ich hier ja im Ausland, muss mich aus dem Mission-Statement des Aufenthalts heraus auch geringfügig danebenbenehmen und beschloss, der versammelten Mannschaft auf die Erasmusparty zu folgen.

Im Gegensatz zu letztem Samstag war ich dieses Mal noch artikulationsfähig und begann recht bald, mit maximaler Kontaktagression Erasmusstudenten anzusprechen. Im dritten unqualifizierten Kommunikationsversuch hatte ich schließlich Erfolg. Alexander aus Belgien stellte mich gleich seinen belgischen und mexikanischen Freunden und Freundinnen vor, die im weiteren Verlauf unkontrolliert in meinem Einzugsbereich herumtanzten. Außerdem verwies er mich auf ein weiter hinten stehendes Mädchen, das aus Katalonien kam.

Das war eine gute Gelegenheit, um mein Katalanisch wieder aufzufrischen. Die gute Dame war zunächst überrascht darüber, ihre Muttersprache zu hören, erkannte aber bald, dass ihre anfängliche Euphorie doch unbegründet war und ich über ein paar Lebensweisheiten nicht hinauskommen würde.

In der Zwischenzeit hatten sich ein paar Spanierinnen angenähert. Eine Dame erzählte mir, sie käme aus Asturien. Ich hatte im Juli Fremdenführer für zwei Mädchen aus Asturien gespielt und wusste deshalb, dass man dort die Verniedlichungsform nicht mit „ito/a“ sondern mit „ino/a“ bildet. Das war die Gelegenheit für einen intellektuell anspruchvollen Scherz. Ich fragte sie, ob „pagina“ (Seite) dann die asturianische Verniedlichungsform von „paja“ (Stroh, männliche Masturbation) sei. Sie verstand meine Gedankengänge nicht und macht sich in einem unaufmerksamen Moment meinerseits elegant aus dem Staub.

Es folgten noch Annäherungen an weitere französische und ausländische Studenten, bis ich um 1.30h das bunte Treiben verließ. Man kann diesen Abend im Nachhinein als Durchbruch meiner Zeit in Toulouse bezeichnen. Jetzt sind die Kontakte zu einem Teil der Erasmusstudenten geknüpft, auf denen man aufbauen kann. Einen anderen Teil hat man bereits erfolgreich verschreckt und wird damit zumindest in Erinnerung bleiben.

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Dezente Kennenlernversuche im Toulouser Nachtleben

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